JüL – Konzept
Unterricht und ergänzende Förderung und Betreuung im jahrgangsübergreifenden Lernen
Stand: 23.06.2025
Die Moabiter Grundschule versteht sich als ein Lern- und Lebensort, an dem Bildung, Erziehung und soziale Förderung gemeinsam gedacht und gestaltet werden. Das jahrgangsübergreifende Lernen (JüL) steht für das gemeinsame Lernen der Erst-, Zweit- und Drittklässler im Klassenverband der Schulanfangsphase, das seit 2019 an unserer Schule praktiziert und stetig weiterentwickelt wird. Die Lernangebote im JüL orientieren sich an den unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedürfnissen sowie den Stärken und Schwächen der Kinder an unserer Schule. JüL zielt auf das Miteinander- und Voneinanderlernen der Kinder unterschiedlichen Alters und mit verschiedenen Lernausgangslagen ab und fördert das selbständige und eigenverantwortliche Lernen der Schülerinnen und Schüler (SuS). Je nach Ausgangslage und Lerntempo durchläuft ein Kind die JüL-Klasse (auch flexible Schuleingangsphase genannt) in zwei bis vier Jahren. Hierbei ist es uns wichtig, einen Rahmen zu schaffen, in dem jedes Kind in seiner Einzigartigkeit Beachtung findet. Der individuelle Lernprozess und die Fortschritte stehen für Kinder und PädagogInnen stets im Vordergrund und sind handlungsleitend.
Das JüL-Konzept der Moabiter Grundschule wird fortlaufend reflektiert, evaluiert und weiterentwickelt. Es beinhaltet die nachfolgenden Schwerpunkte, Grundsätze und Leitlinien, die in intensiver Auseinandersetzung damit vom gesamten Kollegium der Schule ausgearbeitet und festgelegt wurden:
1. Der Unterricht in einer JüL-Klasse
Die Kinder einer JüL-Klasse lernen gleichzeitig in einem Klassenverband in unterschiedlichen Niveaustufen. Dies wird u. a. dadurch ermöglicht, dass differenziert unterrichtet werden kann, indem Lernmaterial für verschiedene Niveaustufen zur Verfügung gestellt und thematisiert wird. Auch gibt es im Rahmen von Doppelsteckungen (zwei Lehrkräfte befinden sich gleichzeitig im Klassenraum) die Möglichkeit, eine Lerngruppe im oder außerhalb des Klassenraums intensiver thematisch zu unterrichten, während die andere Lerngruppe von der zweiten Lehrkraft unterstützt wird. Zudem begleiten die BezugserzieherInnen Teile des Unterrichts, sodass sich auch hier zwei Pädagoginnen im Raum befinden, um die Kinder angemessen unterstützen zu können. Der Unterricht in den Fächern Deutsch, Mathematik, Sachunterricht, Musik, Kunst und Sport findet im Klassenverband statt, während die Kinder der 3. Klasse zusätzlich am Englisch- und Schwimmunterricht teilnehmen. Auch außerhalb des Klassenraums stehen den Kindern eine Vielzahl von Lernorten zur Verfügung, die sie während der Unterrichtszeit nutzen können. So können die Kinder innerhalb der Klassengemeinschaft oder in Gruppen die wöchentliche Märchenstunde, die Schulbibliothek oder den Computerraum besuchen. Auch besteht die Möglichkeit, sich für die schulinterne Lernwerkstatt anzumelden. Dort gibt es ein wechselndes Angebot, um sich forschend und „begreifend“ mit unterschiedlichen Themen wie z.B. „Wasser“, „Magnetismus“ oder „Sinken und schwimmen“ auseinanderzusetzen. Angeleitet und unterstützt wird dies vom pädagogischen Personal der Schule. Eine Vielzahl der Unterrichtsstunden innerhalb einer JüL-Klasse wird von zwei oder mehr PädagogInnen begleitet. Hierzu zählen reguläre Doppelsteckungen, Unterstützung durch BezugserzieherInnen, Anwesenheit von SchulhelfeInnen und Förderung von Kindern im Rahmen einer DaZ- (Deutsch als Zweitsprache) oder SoPäd (Sonderpädagogik)-Stunden. Die intensive Zusammenarbeit aller PädagogInnen eines Klassenteams ist unerlässlich und findet in einer JüL-Klasse besondere Beachtung. Diese wird durch regelmäßige Teamtreffen, Fallbesprechungen und gemeinsame Fortbildungen strukturiert und gefestigt.
2. Tagesablauf einer JüL-Klasse – Ein Tag in einer offenen Ganztagsschule
Für die Kinder einer JüL-Klasse könnte sich ein Tag an unserer Schule wie folgt gestalten: Von 6.00 bis 7.30 Uhr können Kinder mit Vetrag im Frühhort der Schule betreut werden. Ab 7.30 empfangen die ErzieherInnen die ankommenden SchülerInnen an den Türen und auf dem weißen Hof. Um 7.45 Uhr darf jedes Kind alleine, selbstständig ins Schulgebäude und zum Klassenraum gehen. Die Zeit bis zum Unterrichtsbeginn kann zum Umziehen, für ein gesundes Frühstück (Angebot Kiezküchen) oder für Gespräche mit den Freundinnen und Freunden genutzt werden. Um 8.00 Uhr beginnt der Unterricht. Das Morgenritual mit Begrüßung und Besprechung des Kalenders und Stundenplans gilt allen Kindern als gemeinsamer Start in der Klassengemeinschaft. Wir beginnen den Tag mit dem Nennen des Datums, kontrollieren, ob alle Kinder da sind, besprechen das Wetter und planen den Tag. Neben diesen Ritualen bleibt auch Zeit zum Feiern von Geburtstagen oder zum Erzählen von wichtigen Erlebnissen. In der Regel startet anschließend das Lernen mit einem einheitlichen Impuls oder einer Einführung für alle SchülerInnen der Klasse. Dies kann ein Rechtschreibgespräch, eine Mathekonferenz oder der gemeinsame Blick auf die Lernwörter oder verliebten Zahlen in den unterschiedlichen Zahlenräumen sein. Anschließend werden die Kinder in die selbständige Arbeit am Material, im Heft oder Wochenplan entlassen. Die Kinder arbeiten alleine, in Partner- oder Gruppenarbeit und unterstützen sich dabei gegenseitig. Die PädagogInnen stehen den Kindern helfend zur Seite, forcieren jedoch das selbständige und eigenverantwortliche Erarbeiten der Aufgaben. Während die „Kleinen“ konzentriert Buchstaben nachspuren und dabei von der anwesenden Erzieherin unterstützt werden, trifft die Lehrkraft die anderen Kinder am Montessori-Teppich und spricht mit ihnen über die Wortarten. Anschließend erarbeiten die Kinder die Aufgaben zum Thema „Verben“ in ihren Heften. Am Ende der Deutschstunde gibt es noch Zeit für Lese-Tandems, bei denen zwei Kinder - ein „Trainer“ und ein „Sportler“ - das flüssige Lesen miteinander trainieren. Hierbei dürfen die Kinder einen Arbeitsplatz im oder außerhalb des Klassenraums wählen. Nach der ersten Hofpause, in der die Kinder sich austoben und mit ihren FreundInnen spielen konnten, gibt es ein gemeinsames Frühstück im Klassenraum, bei dem vorgelesen wird oder Kindernachrichten geschaut werden. Nach dem Frühstück werden Matheaufgaben erarbeitet. Während die Kinder der höheren Klassenstufen in Partnerarbeit das kleine Einmaleins üben, schreiben die SchulanfängerInnen einfache Plusaufgaben in ihr Rechenheft und lösen diese. Sollte eine Aufgabe zu schwierig sein, dürfen die Sitznachbarn um Unterstützung gebeten werden. Lehrkräfte und ErzieherInnen wirken dort mit, wo die KlassenkameradInnen nicht weiterhelfen können. Während der Arbeitsphase sitzt eine Lehrkraft mit einem Kind am Platz und unterstützt es beim Rechnen, da das Kind die Zahlen noch nicht auf Deutsch benennen kann. Ein anderes Kind nimmt während der regulären Mathestunde an einer Fördergruppe teil – hier werden Kinder mit Rechenschwierigkeiten in Kleingruppen differenziert gefördert. Nach der zweiten Hofpause steht Sachunterricht auf dem Stundenplan. Alle Kinder sprechen darüber, wie aus einer Kaulquappe ein Frosch wird und scheuen sich dazu Bilder auf dem Board an. Anschließend erhalten die Kinder ein Arbeitsblatt, welches in unterschiedliche Niveaustufen differenziert ist und bearbeiten die Aufgaben selbständig. Die „Großen“ sind so mutig und präsentieren ihre Ergebnisse vor der Klasse. Während die Kinder der 1. und 2. Klasse ihren Lerntag gemeistert haben und mit der Bezugserzieherin in den Hort gehen, haben die Kinder der 3. Klasse noch eine Stunde Englisch vor sich. Hier treffen sich die Kinder aus der eigenen und der Parallelklasse, um gemeinsam neue Wörter zum Thema Haustiere zu lernen und sich auf Englisch zu erzählen, welche Tiere sie am liebsten mögen und welche Haustiere sie haben. Nach der Englischstunde treffen die Großen ihre KlassenkameradInnen im Hortraum und alle Kinder essen zusammen mit ihrer Erzieherin/ ihrem Erzieher in der Mensa zu Mittag. Hierfür haben sich die Kinder bereits im Vorfeld zusammen mit ihren Eltern online ein Gericht ausgesucht, welches sie dann bei der Essenausgabe erhalten. Wasser und frisches Gemüse steht allen zur Verfügung. Sind alle satt, geht es gemeinsam in den Hortraum und anschließend raus auf den Hof. Um 13.35 Uhr endet der verlässliche Halbtagsgrundschule (VHG). Kinder, die weiterhin im Hort betreut werden, benötigen hierfür einen Vertrag. Je nach Wochentag steht jetzt noch eine Lernzeit mit der BezugserzieherIn an oder die Kinder spielen mit ihren Freunden auf dem Schulhof, im Gruppenraum oder in einem anderen Spielraum, bevor sie in ihre AG gehen. Zusätzlich schafft die BezugserzieherIn für die Kinder das Angebot, sich – thematisch an die Sachunterrichtsstunde angelehnt - weiterhin mit dem Thema „Von der Kaulquappe zum Frosch“ auseinanderzusetzen und dieses zu vertiefen. Sie stellt den Kindern Bücher zur Verfügung, liest eine Geschichte vor oder bastelt mit ihnen Frösche aus Tonpapier. Am Nachmittag können die Kinder ebenfalls die Schulbibliothek besuchen und vor Ort Bücher lesen oder sich diese für zu Hause ausleihen. Vor oder in jedem Hortraum gibt es eine Magnettafel, auf der die Kinder sich „stecken“. Dies bedeutet, dass das Kind den Magneten mit dem eigenen Namen oder Foto darauf dort ansteckt, wo im Schulgebäude es sich gerade aufhält oder spielt, sodass alle PädagogInnen und auch die Eltern/Erziehungsberechtigten bei der Abholung wissen, wo das Kind zu finden ist.
3. Montessori-Pädagogik
„Hilf mir, selbst zu denken“ lautet der Grundsatz der Montessori-Pädagogik an Schulen, welche das Kind, seine Persönlichkeit und seine Entwicklungsbedürfnisse in den Mittelpunkt stellt. Die Moabiter Grundschule orientiert sich seit dem Schuljahr 2014/15 an den Montessori-Qualitätsstandards der Primarstufe, das pädagogische Konzept Maria Montessoris wird in den schulischen Alltag implementiert. Alle Klassenräume sind mit Arbeitsmaterialien ausgestattet, welche das selbständige Lernen unterstützen und begleiten. Die PädagogInnen stellen dem Kind eine Lernumgebung zur Verfügung, in der es eigenverantwortlich und selbständig agieren kann. Eine solche vorbereitete Lernumgebung beinhaltet eine angemessene Raumgestaltung, unterschiedliche Arbeitsplätze und bedürfnisorientierte Lernmaterialien. Auch nach dem Unterricht erhalten die Kinder Möglichkeiten zur kreativen Arbeit, zum Forschen und zur Bewegung und Entspannung innerhalb des Hortbereiches. Zur Grundausstattung einer JüL-Klasse gehören der runde Montessori-Teppich, Arbeitsteppiche und der Kalender. Das bewegliche Alphabet, Wortbausteine, Wortartensymbole und Fühlbuchstaben gehören zum Material des Deutschunterrichts, während im Mathematikunterricht geometrische Körper, Sandpapierziffern und Perlenmaterial bzw. Dienes samt Kartensatz eingesetzt werden. Auch eine gemeinsame Tagesstruktur und Rituale finden sich in der Montessori-Pädagogik wieder. Hierzu zählen Begrüßungsrituale bzw. Morgenkreis und das gemeinsame Frühstück. Innerhalb des Klassenraums tragen alle Kinder Hausschuhe. Dies steht im Einklang mit den Montessori-Prinzipien und trägt dazu bei, die vorbereitete Lernumgebung und „wohnliche“ Lernatmosphäre durch Ruhe, Ordnung und Sauberkeit zu erhalten.
4. Lernzeit
Die Lernzeit findet zweimal wöchentlich nach dem Unterricht zu einer festgelegten Uhrzeit statt und gilt für die Kinder als verbindlich. In Absprache mit den Lehrkräften der Klasse führt die Bezugserzieherin/ der Bezugserzieher die ca. 30 – 40-mitütige Lernzeit durch. Während der Lernzeit können die Kinder Unterrichtsinhalte wiederholen und festigen, sie erhalten Lernzeitaufgaben, die ihrem persönlichen Lern- und Leistungsstand entsprechen. Die genauen Inhalte entnehmen sie dem vorliegenden Wochenplan. Bei der Bearbeitung können die Kinder jederzeit auf die Hilfestellung der PädagogInnen zurückgreifen, sollen jedoch dazu befähigt werden, Aufgabenstellungen selbständig zu erarbeiten. Über den Wochenplan erhält die Lehrkraft die Rückmeldung darüber, ob die Aufgaben während der Lernzeit erarbeitet wurden. Sollte dies nicht der Fall sein, erhalten die Kinder die nicht fertiggestellten Aufgaben als Hausaufgabe.
5. Lehrwerke
Im Fach Deutsch wird das Lehrwerk „Karibu“ bis zum Schuljahr 2026/27 für alle Klassenstufen in JüL einheitlich und flächenübergreifend eingeführt. Im Mathematikunterricht wird das Lehrwerk „Denken und Rechnen“ eingesetzt. Beide Lehrwerke bieten den Pädagoginnen die Möglichkeit, differenziert und inklusiv zu unterrichten. Der Einsatz der neuen Lehrwerke soll durch schulinterne, verpflichtende Fortbildungen durch Schulberater des jeweiligen Verlags unterstützt und optimiert werden. Im Englischunterricht an unserer Schule wird in allen Klassenstufen (3-6) das Lehrwerk Camden Market eingesetzt.
6. Bewertung und Befähigung
Kinder einer JüL-Klasse erhalten unabhängig von der Jahrgangsstufe am Schuljahresende ein Zeugnis mit Kompetenzraster, ein sogenanntes Indikatorenzeugnis, in dem die erlangten Kompetenzen sichtbar werden und deren Ausprägung mithilfe standardisierter Formulierungen („Kompetenz sehr ausgeprägt“, „Kompetenz ausgeprägt“, „Kompetenz teilweise ausgeprägt“, „Kompetenz gering ausgeprägt“) erfolgt. Das Zeugnis ist in Kompetenzbereiche gegliedert, die sich an den Berliner Rahmenlehrplänen orientieren. Die Erstellung erfolgt ressourcenorientiert und berücksichtigt individuelle Lernwege. Somit stellt das Indikatorenzeugnis die individuelle Lernentwicklung des Kindes in den Mittelpunkt und zeigt Stärken sowie Förderbedarfe auf. Die Beurteilung basiert auf systematischer Beobachtung im Unterricht, zudem schreiben die Kinder der 3. Klasse jährlich jeweils 4 Klassenarbeiten in den Fächern Deutsch und Mathematik, deren Bewertung innerhalb eines Punktesystems vorgenommen wird. Das Ziel der Indikatorenzeugnisse ist eine kindgerechte, transparente und differenzierte Rückmeldung über den Lern- und Entwicklungsstand. Ein Notenzeugnis ist in JüL nicht vorgesehen. Zur Bewertung des Arbeits- und Sozialverhaltens dient am Ende der Klassenstufe 3 das jeweils aktuelle Formular der Senatsverwaltung. Zudem werden zum Halbjahr der Klassenstufe 3 Halbjahresgespräche mit den Kindern und Erziehungsberechtigten durchgeführt, in denen schulische Leistungen und der Wechsel in Klasse 4 thematisiert werden. Zum Ende der Klassenstufe 3 entscheiden die Lehrkräfte der Klasse darüber, ob das Kind alle benötigten Kompetenzen für die nächste Klassenstufe erworben hat und somit ein Wechsel in die 4. Klasse realisiert werden kann.
In den JüL-Klassen ist die Bearbeitung der „Lila Mappe“ verbindlich. Die Erarbeitung der einzelnen Themen erfolgt einheitlich bis zum Abschluss der 3. Klasse und dient der Sicherstellung der Fähig- und Fertigkeiten, die den Anforderungen zu Beginne der 4. Klasse entsprechen. Inhalt der lila Mappe sind u. a. der Füller- und Lineal-Führerschein, ein Training der Schulausgangsschrift (Schreibschrift), Arbeitsblätter zur Arbeit in Schreibheften sowie zur Nutzung des Schulplaners. Bei der Bearbeitung der lila Mappe finden Kinder mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf besondere Berücksichtigung.
7. Übergänge
Der Übergang von Klasse 3 zu 4 stellt für Eltern und Kinder einen wichtigen Schritt dar und wird an der Moabiter Grundschule sorgfältig vorbereitet. Übergangsgespräche dienen den PädagogInnen dazu, wichtige Informationen und Lernstände weiterzugeben, sodass die Kinder bestmöglich in der neunen Klasse ankommen. Erziehungsberechtigte und Kinder erfahren rund zwei Monate vor den Sommerferien, in welche Klasse sie wechseln werden. Bis zu den Sommerferien finden für die zukünftigen 4. Klassen zwei ganztägige KICK-Termine statt, in denen sich die Kinder und PädagogInnen kennenlernen. Das KICK-Projekt wird von zwei geschulten PädagogInnen unserer Schule angeleitet und will durch aufeinander aufbauende Seminarmodule die sozialen Kompetenzen und ein gewaltfreies Miteinander im Schulalltag und in der Freizeit fördern. Für den Übergang von Klasse 3 in Klasse 4 durchlaufen alle Kinder der neu zusammengestellten vierten Klasse das Modul „Klassengemeinschaft stärken / Teamarbeit üben“.
Für die Klassenstufen 1 und 4 gelten einheitliche Materiallisten, die von den Klassenlehrkräften individuell angepasst werden können. Auch gilt zur besseren Orientierung in allen Klassen eine einheitliche Farbgebung für die unterschiedlichen Fächer und dem dazugehörigen Material (Mappen, Heft- und Bucheinschläge). Die Fächer-Farb-Zugehörigkeit lautet wie folgt: Deutsch (rot), Mathe (blau), Sachunterricht (grün), Englisch (weiß), Musik (gelb), Wochenplan (schwarz), Führerscheine (lila).
Die Anton- und Antolin-Accounts der Kinder werden von der JüL-Lehrkraft an die Klassenleitung der neuen 4. Klasse übergeben, sodass die Kinder weiterhin mit diesen Apps arbeiten können.
8. Soziales Lernen
Die Stärkung der sozialen Kompetenzen ist eine zentrale Aufgabe der Grundschule. Kinder in jahrgangsübergreifenden Klassen lernen von- und miteinander, das Soziale Lernen stellt an der Moabiter Grundschule somit einen wichtigen Bestandteil dar. Lehrkräfte, ErzieherInnen und Schulsozialarbeit arbeiten partnerschaftlich, gleichberechtigt und ressourcenorientiert zusammen, um den Kindern einen sicheren schulischen Rahmen bieten und ihre sozialen Kompetenzen bestmöglich stärken zu können. Elemente des Sozialen Lernens sollen im JüL-Bereich implementiert, Übergänge adäquat gestaltet und die Kooperationen mit externen Partnern einheitlich genutzt werden. Folgende Rahmenbedingungen und Instrumente werden an der Moabiter Grundschule bereits realisiert:
- Einheitliche Klassenregeln für alle JüL-Klassen
- Kooperative Lerneinheiten in Partner- und Gruppenarbeit
- Durchführung des Klassenrats
- Teilnahme aller JüL-Klassen am 1000 Schätze Programm
- KICK-Projekt zum Wechsel von der 3. In die 4. Klasse
- Regelmäßige Ausflüge und Besuche externer Lernorte
Der Klassenrat findet einmal wöchentlich mit einheitlichen Standards statt, für dessen Durchführung gibt es ein festgesetztes Vorgehen. Die Haltung der PädagogInnen hinsichtlich der Demokratieförderung und Partizipation der Kinder bildet die Grundvoraussetzung für die Vermittlung gesellschaftlicher Werte im Rahmen des Klassenrates. Die PädagogInnen unterstützen und begleiten die Kinder im Prozess der Konfliktlösung.
Zu den Kooperationspartnern der Moabiter Grundschule zählen u. a. Schulsozialarbeit, Strohhalm e. V., Eukitea, Fachberatungsstelle für Suchtprävention und Präventionsbeauftragte der Polizei.
9. Eltern- Kommunikation
An unserer Schule gibt es unterschiedliche Kommunikationskanäle, durch die der Austausch zwischen Eltern/Kind und der Schule realisiert wird. Erziehungsberechtigte können sich vorab auf der Schulhomepage (www.moabiter-grundschule.de), an den Tagen der offenen Tür und diversen Schulveranstaltungen über unsere Schule informieren und diese kennenlernen. Zudem gibt es jedes Jahr vor den Sommerferien einen Informationsabend (0. Elternabend), an dem die Erziehungsberechtigten die PädagogInnen der Klasse kennenlernen und erste Informationen zum Schulstart, die so genannte „Willkommensmappe“, erhalten. Nach dem Schulstart gelten IServ, die Postmappe der Kinder und die schulinternen Info-Briefe als zentrales Kommunikationsmedium. Bei persönlichen Anliegen können alle PädagogInnen per Cloud oder Mail angeschrieben werden, im Bedarfsfall wird ein persönliches Gespräch vereinbart. Durch die Unterstützung des Fördervereins und der Teilnahme an der Gesamtelternvertretung (GEV) können interessierte Eltern stärker am Geschehen innerhalb der Moabiter Grundschule partizipieren.
Das „ABC der Moabiter Grundschule“ ist auf unserer Homepage zu finden und gibt einen Überblick über bestimmte Aspekte des schulischen Alltags und erläutert diese. Hierbei werden den Erziehungsberechtigten u. a. Begriffe wie „Beurlaubung“, „ElternvetreterInnen“ und „Lernzeit“ erklärt und dadurch die Orientierung in unserer Schule erleichtert.
10. Lernentwicklungsgespräche
Feedback ist eins der einflussreichsten Instrumente, um die schulischen Leistungen der Schülerinnen und Schüler (SuS) weiterentwickeln zu können. An unserer Schule werden diese 15 bis 25-minütigen Gespräche, an denen Eltern, Kinder und PädagogInnen teilnehmen, als Lernentwicklungsgespräche (LEG) bezeichnet und finden in jedem Schulhalbjahr statt. LEG beziehen sich vorrangig auf die Lernentwicklung in den sprachlichen und mathematischen Kompetenzen sowie auf das Arbeits- und Sozialverhalten. In den genannten Gesprächen steht das Kind im Mittelpunkt und reflektiert hierbei seine schulischen Leistungen mithilfe vorliegender Materialien (Blumentöpfe + Fähig- und Fertigkeiten). Die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten fungieren lediglich als Zuhörende. Als Abschluss eines Gesprächs formuliert das Kind ein oder mehrere Ziele, die es bis zum nächsten LEG erreichen möchte. Diese Ziele werden von der Lehrkraft notiert und in einem Protokoll des Gesprächs festgehalten, sodass man bei darauffolgenden Gesprächen darauf zurückgreifen kann. Zudem werden die genannten Ziele auf einer dafür vorgesehenen Seite im Schulplaner notiert, damit Kinder, Eltern und PädagogInnen jederzeit darauf zurückgreifen können.
11. Abschluss
Abschließend lässt sich festhalten, dass das jahrgangsübergreifende Lernen (JüL) in unserer Schule einen zentralen Beitrag zur individuellen Förderung und sozialen Entwicklung unserer Schülerinnen und Schüler leistet. Durch die Vielfalt der Lernvoraussetzungen in den Lerngruppen entstehen im Unterricht und innerhalb der ergänzenden Förderung zahlreiche Chancen für kooperative Lernformen, gegenseitige Unterstützung und nachhaltiges Lernen. Mit einem klar strukturierten Rahmen, kontinuierlicher Reflexion und engagierter Teamarbeit schafft das JüL-Konzept eine lebendige Lernkultur, in der jedes Kind in seinem Tempo wachsen kann. Unser Ziel bleibt es, durch diese Form des Lernens die Stärken jedes Kindes zu erkennen, zu fördern und gemeinsam eine Schule zu gestalten, in der Vielfalt als Bereicherung erlebt wird.
Berlin, Moabiter Grundschule
23.06.2025